Lateinamerika im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen

Flagge der Vereinten Nationen
Flagge der Vereinten Nationen
Bild: Wikipedia.de

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, auch Weltsicherheitsrat genannt, ist das mächtigste Gremium der UN. Darin vertreten fünfzehn Länder die Sicherheitsinteressen der ganzen Welt. Neben den fünf ständigen Mitgliedern China, Frankreich, Großbritannien, Russland und den Vereinigte Staaten sind noch zehn weitere Länder vertreten. Von denen jeweils fünf pro Jahr durch die UN-Generalversammlung auf zwei Jahre neu gewählt werden. Die Kontinente der Welt sollen dabei einigermaßen ausgewogen vertreten sein, daher sind regelmäßig zwei Länder aus Lateinamerika dabei. 2006 und 2007 ist Peru eines dieser beiden Länder. Das andere ist Argentinien, dessen Mitgliedschaft aber Ende 2006 endet. Der Neuwahlprozess für den 2007/2008-Latino-Sitz ist gerade im Gange. Da Hugo Chávez‘ Venezuela einer der beiden Kandidaten ist, ist für spannende Unterhaltung gesorgt. Der andere Kandidat ist Guatemala, das von den USA ins Rennen geschickt wurde. Beide erreichen aber nicht die erforderliche Zweidrittelmehrheit. Trotz 41 Wahlgängen konnte bis heute keine Entscheidung erzielt werden – klingt ja nach ein paar frustrierenden Nächten im Versammlungssaal.

„Hugo Chavez gibt so leicht nicht auf, vor allem dann nicht, wenn es darum geht, die USA zu ärgern“ (sueddeutsche.de): Jetzt schlägt Chávez als Alternativkandidat seinen „Freund“ Bolivien vor, aber USA und Guatemala stellen auf stur und wollen die Kandidatur Guatemalas nicht zurückziehen sondern erstmal „weiterkämpfen“.

Dazu:

Update 5.11.06: Nach 47 Abstimmungsrunden haben sich die Abgeordneten im Weltsicherheitsrat auf Panama als Kompromisskandidat geeinigt.

UN, Vereinten Nationen, Sicherheitsrat, Wahl, Lateinamerika, Venezuela, Guatemala, Bolivien, Hugo Chávez, USA

Peru ist 2007 Partner der Touristikmesse CMT in Stuttgart

Partnerland der kommenden Touristikmesse CMT in Stuttgart ist Peru. Die CMT ist Europas größte Publikumsmesse für Touristik und Freizeit: über 1.400 Ausstellern aus mehr als 95 Nationen bieten 180.000 Besuchern (inclusive 10.000 Fachbesuchern) entsprechende Informationen zu Reiseveranstaltern, Urlaubsorten, Ferienregionen, Caravan- und Wohnmobilherstellern.

Mit dabei ist die Commission for the Promotion of Peru (PromPeru) der peruanischen Regierung. Offizielle Infos für Touristen stellt die PromPeru z.B. unter peru.info ins Netz.

Rund 50 000 Deutsche kommen pro Jahr nach Peru – bei insgesamt 1,5 Millionen Besuchern aus aller Welt. Die meisten Touristen kommen aus den USA. Deutschland liegt auf Platz elf weltweit gesehen – bezogen auf Europa sogar auf Platz vier. Diese Zahlen sollen jetzt gesteigert werden. 2006 rechnet Peru mit einem Besucherplus von 10 bis 15 %. Anlocken will Peru die Besucher mit einer Drei-Säulen-Strategie:

  • Kultur und Geschichte
  • Kultur gepaart mit Land, Leuten und Festen
  • Erlebnistourismus in den Dschungelgebieten

Peru bestehe nicht nur aus den Inkas und dem Machu Picchu – es gebe ja auch noch Pyramiden im weniger bekannten Norden (Quelle: Kölner Stadt-Anzeiger).

Die ZEIT über eine Hugo Chávez Biographie

Christoph Twickel hat den venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez in einer Biographie porträtiert. In der Zeit online vom 19.10.2006 ist dazu eine Kritik von Norbert Rehrmann zu lesen. Hugo Chávez ist auf jeden Fall schillernd genug, um interessant zu sein. Alleine in den Titulierungen, die Chávez in diesem einen Zeitungsartikel verpasst werden, spiegelt sich das schon ausreichend wider:

  • venezolanischer Präsident
  • lächerliche Persönlichkeit
  • selbst ernannte Jünger Simón Bolívars
  • verlängerter Arm Castros
  • sozialer Messias
  • politischer Showmaster
  • prominenter Starmoderator
  • Anführer eines Putschversuchs
  • unsicherer Kantonist
  • Volksheld
  • Perón vom Orinoco
  • unerfahrener Politiknovize

Außerdem wird er auch noch

  • „El Loco“ – „der Verrückte“
  • Dampfplauderer
  • Volkstribun

genannt, wie in der Buchbeschreibung bei Amazon zu lesen ist.

Überdurchschnittlich gut gefällt mir „Dampfplauderer“. Das nehme ich gerne in meinen Wortschatz auf.

Hugo Chávez, Venezuela, Lateinamerika, Dampfplauderer, Biographie, Kritik

Archäologie in Peru und Mexiko: Pyramiden, Glyphen, Hundeleichen

Cascajal Block: 62 Glyphen auf Serpentinstein
„Cascajal Block“: 62 Glyphen auf Serpentinstein

Seit ich das letzte Mal über Archäologie in Lateinamerika geschrieben habe, sind wieder einige spektakuläre Funde gemacht worden:

  • eine riesige Pyramide in Peru,
  • die ältesten Glyphen der Neuen Welt in Mexiko,
  • ein alter Hunde-Friedhof in Peru und
  • die älteste Stadt Amerikas in Peru.

Die riesige Pyramide

370 Kilometer nördlich von Lima, in Sechín Bajo im Casmatal, graben Deutsche Forscher von der Freien Universität Berlin seit 1992 alte Mauern aus. Jetzt stießen sie auf die Fundamente einer gigantischen Pyramide, mit einer Grundfläche wie 250 Fußballplätzen. 70 bis 100 Meter soll die Pyramide hoch gewesen sein, schätzen die Forscher. Nach geophysikalischen Untersuchungen ist der Bau 5200 Jahre alt und damit wäre er der älteste Steinbau Amerikas. In der Welt.de ist ein ausführlicher Bericht darüber zu lesen. Weitere Infos:

Die ältesten Glyphen

Bei Straßenbauarbeiten in Mexiko stieß man 1999 auf einen Steinblock mit eingeritzten Schriftzeichen – 62 Glyphen bestehend aus 28 unterschiedlichen Zeichen. Der „Cascajal Block“ genannte Fund ist 36 cm lang, 21 cm breit, 13 cm dick und besteht aus Serpentinstein. Untersucht und als wichtig erkannt wurde der Stein aber erst kürzlich. Wenn die Datierung auf etwa 900 vor Christus stimmt, dann ist das mal wieder ein neuer Rekord: die ältesten Glyphen der Neuen Welt. Die Sequenz der Glyphen erfüllt die Kriterien einer Schrift. Aufgrund der Ähnlichkeit zu bereits bekannten Zeichen wird die Schrift den Olmeken zugeordnet. Die Olmeken gelten als die Mutterkultur Mittelamerikas. Weitere Details und Bilder im Telepolis-Artikel darüber. Weiteres dazu:

Der alter Hunde-Friedhof

Chiribaya-Schäferhunde waren im alten Peru beliebt, nicht nur zum Bewachen von Herden, sondern auch als „bester Freund“ des Menschen. Das beweisen liebevoll bestattete Hundekörper, die heute von peruanischen Wissenschaftlern in rund tausend Jahre alten Gräbern gefunden werden. Die Hunde waren teils in Decken gehüllt, mit Leckereien versorgt und Seite an Seite mit menschlichen Mumien bestattet. Das tierliebe Volk der Chiribaya lebte von 900 bis 1350 nach Christus in dem fruchtbaren Osmore-Tal, süd-östlich von Lima – und da liegt auch der Hundefriedhof. Die Ausgrabung wird von der Anthropologin Sonia Guillen geleitet, die auch ein Museum in Peru führt, das Museo Leymebamba. Weitere Details findet man schnell, wenn man nach dem Namen der Anthropologin sucht.

Die älteste Stadt Amerikas

Nicht direkt neu entdeckt, aber im Fokus der Tourismusindustrie von Peru steht die Ausgrabungsstätte der „heiligen Stadt“ Caral. Der Ort wurde vor mehr als 4600 Jahren gegründet. 2001 stellten Wissenschaftler fest, dass die in den Mauern der Stadt gefundene Schilfsäcke aus dem Jahr 2627 stammen. Obwohl nicht klar ist, warum die Wissenschaftler das nicht ein bisschen genauer sagen können, wenigstens auf den Monat, ist auf jeden Fall klar, dass die Funde damit 1000 Jahre älter sind, als die dahin älteste in Amerika bekannte Kultur der Olmeken (Mutterkultur Mittelamerikas, siehe oben). In der kleinen Vorzeit-Stadt gab es 6 Pyramiden, 3000 Einwohner, ein Bewässerungssystem, mindestens 32 Querflöten – aber keine Verteidigungsanlagen. Offenbar ein friedliches Volk. Jetzt wurde die touristische Infrastruktur ausgebaut und die Stätte soll entsprechend vermarktet werden. Dazu passt auch die hübsche Homepage des Projektes in Deutsch, Englisch und Spanisch. Quelle: Spiegel online. Mehr dazu:

Archäologie, Peru, Ausgrabung, Sechín Bajo, Cascajal, Glyphen, Hundefriedhof, Chiribaya, Caral, Pyramide

Latinlife.de wird heute 1 Jahr alt

Genau heute vor einem Jahr haben wir mit dem ersten Posting diese Webseite eröffnet. In zwölf Monaten folgten dann 132 weitere Postings. Zur Feier des Tages machen wir diese ab heute in unserem neuen Archiv zugänglich.

Und nun von Rocio ein paar feierlichere Worte auf Spanisch dazu:

Feliz Aniversario Latinlife.de!

Nuestra página latinlife.de cumple el dia de hoy 25 de octubre del 2006 un año de haber sido creada. Asi es, nosotros el equipo de Latinlife, Rocio y Markus Spitzer, estamos de Aniversario y esto lo queremos compartir con todos ustedes “amigos lectores��?. Estamos muy orgullosos de celebrar un año a lado de ustedes nuestros lectores y de ofrecerles permanentemente interesantes acontecimientos ocurridos en Latinoamérica y en Alemania. Asimismo agradecemos de todo corazón a todas las personas, familiares, amigos, colegas de Latinoamérica y Alemania por sus más sinceros cumplidos hacia nuestra página, así como su apoyo. Espero que todos ustedes sigan disfrutando de las Informaciones, Noticias y Novedades que les seguiremos ofreciendo en nuestra página de Latinlife. Que sea este el comienzo de muchos años mas en mantener las buenas relaciones entre dos continentes tan lejanos geograficamente pero tan juntos de corazón. Asi que viva Alemania en Europa y que viva el Perú en Latinoamérica.

Deutscher Papst spricht den ersten Latino heilig

Rafael Guízar Valencia war ein Bischof aus Cotija de la Paz im mexikanischen Bundesstaat Michoacán und lebte von 1878 bis 1938. Er führte ein tugendhaftes Leben – laut Vizepostulator P. Rafael González war sein Wesen von Glaube, Hoffnung und Liebe bestimmt. Allerdings hat er auch ein paar interessante Schlenker gemacht, inclusive einer Flucht nach Kuba und folgenden Wundern:

  • eine unfruchtbare Frau empfängt ein Kind durch seine Fürsprache
  • er heilt ein Kind mit Gaumenspaltung noch im Mutterleib
  • er heilt einen Besessenen durch die Gabe eine Hostie
  • er vollführt Schwebezustände während der Eucharistiefeier
  • 1951 war sein Leichnam noch unverwest.

Nicht schlecht für ein Leben und genug „fama signorum“, um vor einigen Tagen, am 15.10.2006, von Papst Benedikt XVI heilig gesprochen zu werden.

Es gibt viele hundert Heilige, aber war keiner aus Lateinamerika dabei – Rafael Guízar Valencia ist somit:

der erste heilige Latino.

Zum Thema:

Heiliger Latino, Mexiko

Pizarro spielt nicht mehr für Peru

Claudio Pizarro, Fußballer aus Peru, mußte bisher zwei Trainern „dienen“, da er sowohl für den FC Bayern spielt, als auch Kapitän der Nationalmannschaft Perus war. Das hat kürzlich zu Konflikten geführt, als Pizarro ein Länderspiel gegen Chile geschwänzt hat, um sich lieber in Deutschland auf ein Bundesligaspiel geben den Hertha BSC Berlin vorzubereiten. Das hat bei seinem Nationaltrainer Franco Navarro Mißfallen erregt. Der Stunk ist dann anscheinend eskaliert, denn am 18. Oktober 2006 – ausgerechnet am gerade neu deklarierten Tag der Peruaner im Auslanderklärte Pizarro, sein Vertrauensverhältnis zu Navarro sei gestört und er wolle nicht mehr für ein Länderspiel nominiert werden, solange dieser Trainer im Amt ist.

Der peruanische Fußballverband hat daraufhin den Stürmer einen Tag später vorläufig suspendiert – wegen „Undiszipliniertheiten“.

Was sagen die Peruaner dazu?

Mehr

Fußball, Peru, Claudio Pizarro, Franco Navarro, FC Bayern

La Oroya in Peru zum fünftschmutzigsten Ort der Welt erklärt

Der Ort La Oroya in Peru, ein Bergbauzentrum, in Peru hat die zweifelhafte Ehre der fünftschmutzigste Ort der Welt im Jahre 2006 zu sein. Jedenfalls nach einer Veröffentlichung des Blacksmith Institute. Das Institut hat einschlägige Erfahrung, denn es ist auf die Beseitigung von Altlasten in Entwicklungsländern spezialisiert.

„In den aufgelisteten Orten seien Boden, Luft und Wasser derart verseucht, dass die Bewohner einem hohen Risiko ausgesetzt seien, Krebs oder schwere Lungeninfektionen zu bekommen oder geistig behinderte Kinder zu gebären.“ (Spiegel Online)

Betrieben wird die La Oroya Mine von Doe Run Peru, das als Tochterunternehmen zur Doe Run Company, St. Louis, Missouri, USA, gehört. Die Doe Run Company ist Tochter der Renco Group (Holding der Bergbau-, Stahl- und Kohlebranche). Die Renco Group gehört zu den größten privaten Holdings in den USA. Wurde in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts von Ira Rennert (laut Spiegel.de ein “skupelloser Junk-Bond-Millionär?) gegründet und aufgebaut. (Diese Infos findet ihr auch auf unserer Bergbau-in-Peru-Seite, auf der wir tabellarisch entsprechende Daten sammeln.)

Doe Run stellt sein Engagement in La Oroya auf seiner Website aus seiner Sicht dar: als sozialen Wohltäter und Förderer des Umweltschutzes. Jeder mag das beim Lesen selber beurteilen. Einen anderen Blickwinkel vertritt der FIAN-Deutschland e.V. (FoodFirst Informations- & Aktions-Netzwerk), der über die aktuelle Lage aufklärt und entsprechende Hintergrundinfos bereitstellt. Fairerweise muss man sagen, dass Doe Run La Oroya erst 1997 vom peruanischen Staat übernommen hat:

„Die Anlage in La Oroya wurde 1922 in Betrieb genommen. 1997 erwarb Doe Run Peru die Produktionsanlagen vom peruanischen Staat. Dieser hatte als Betreiber zu extremer Umweltverschmutzung beigetragen. Mit dem Erwerb verpflichtete sich Doe Run Peru zu notwendigen Investitionen im Umweltbereich. Jedoch wurden die laut Umweltinvestitionsplan gesetzten Fristen regelmäßig auf Antrag des Unternehmens verschoben – im Mai 2006 hat das Unternehmen eine weitere Fristverlängerung bis 2009 erhalten.“ (FIAN)

Die ganze Blacksmith-Institute-Liste der von Menschen geschaffenen Desaster ist:

  1. Tschernobyl, Ukraine
  2. Dserschinsk, Russland
  3. Bajos de Haina, Dominikanische Republik
  4. Kabwe, Sambia
  5. La Oroya, Peru
  6. Linfen, China
  7. Mailuu- Suu, Kirgisien
  8. Norilsk, Russland
  9. Ranipet, Indien
  10. Dalnegorsk und Rudnaja Pristan, Russland

Umweltverschmutzung, Peru, La Oroya, Bergbau

Comiczeichner Juan Acevedo aus Peru in München

Juan Acevedo ist ein Comiczeichner und Pädagoge aus Peru. Acevedo ist gerade in München und hält heute, am Samstag, 14. Oktober 2006, 19.30 Uhr, einen Vortrag über die aktuelle Situation Perus aus Sicht eines Comiczeichners – nun ja, aus seiner Sicht, nehme ich an (EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80, Eintritt frei).

Seine Spezialität sind Karikaturen und Cartoons zur politischen Situation in Peru.

Über den Zeichner habe ich bei geocities eine interessante Seite gefunden, die anscheinend von Comic-Fans erstellt wird (auf Spanisch). Sie nennen sich „Grupo Perucho Art“. Auf derselben Seite sind auch noch mehr Informationen über Comic-Kunst zu finden, unter anderem weitere Biographien von peruanischen Zeichnern: Pablo Marcos, Gonzalo Mayo, Roberto Castro (Rocas), Hernan Bartra (Monky). Ein interessantes Studiengebiet, wie es aussieht.